Während die Tesserete Bahn LT den rechten Talhang des Cassarate Tales erschloss war die Dino Bahn LCD für die linke Seite verantwortlich. Da der Talgrund früher öfters von Ueberschwemmungen heimgesucht wurde, erbaute man die Siedlungen oberhalb auf den Terrassen. Im Gegensatz zur LT hatte die LCD ihre Abfahrtstelle nicht beim höher gelegenen SBB Bahnhof, sondern unten, direkt an der Seepromenade. Daher musste die Bahn zuerst die Stadtquartiere durchqueren und bis La Santa die Strasse mitbenützen. Bedingt durch die grosse Steigung mussten die Züge meist mit zwei Triebwagen geführt werden. Um den zweiten Wagenführer einzusparen wurde eine Hochspannungssteuerung eingebaut. Die beiden Triebwagen waren mit Hochspan-nungskabel verbunden und die geregelte Fahrspannung für den zweiten Triebwagen wurde dem Steuerkontroller des bedienten TW entnommen. Dieses System hat sich jahrelang gut bewährt.
Obschon die Bahn ihre Frequenzen halten konnte, war die zum Teil auf der Strasse fahrende Bahn den Luganesi nicht mehr genehm und bereits 1967 musste die Abfahrt-stelle am See in die Innenstadt zurückverlegt werden. (Piazza Indipendenza). Zwischen Lugano und La Santa führte die LCD Tramkurse im Intervall von 15 Minuten. Dieser innerstädtische Trambetrieb musste auf Betreiben der Stadt 1964 aufgegeben werden.
1970 fuhr dann die interessante Bahn zum letzen Mal.
Direkt an der Luganeser Seepromenade nahm die Bahn ihren Anfang. Hier hatte sie auch Gleisverbindung mi der Städtischen Strassenbahn. Sich vom See abwendend, durch Aussenquartiere und immer auf der Strasse gelangte sie nach La Santa, wo sich das grosse Depot befand. Nun begann die Strecke zu steigen. Mit zwei grossen Schlaufen bei Viganello und einem Tunnel wurde vorbei an Rebbergen Pregassona erreicht. Nun in nördlicher Richtung dem Talhang entlang mit einem weitern Tunnel und mehreren Brücken gings in schönster Aussichtslage via Cadro nach der Endstation Dino. Dino war eine bescheidene Station mit zwei Gleisen und einer kleinen Remise.
Die Fahrzeit betrug 30 Minuten.
Streckenskizze map.search.ch
In der Stadt gibt es natürlich von der Bahn keine Ueberbleibsel mehr. Im ländlichen Gebiet sind noch längere Streckenteile als Fusswege oder Erschliessungsstrassen erhalten. Das Depotgebäude in La Santa dient heute als Busgarage und das schön renovierte Stationsgebäude in Dino beherbergt ein Lebensmittelgeschäft. Die Remise in Dino sowie die hölzernen Haltestellengebäude wurden abgerissen. Das untere Tunnel-portal bei Viganello und der noch begehbare Tunnel von Soragno sind noch zu sehen.
Etwa 1/4 der Gleislänge zwischen Lugano und Dino lagen in der Strasse. Auf dem Abschnitt Davesco - Dino wurde das Bahntrassee zu einer breiten Umfahrungsstrasse ausgebaut und lädt ebenfalls nicht zum Wandern ein. Hingegen kann die rund 2 km lange Strecke von Pregassona bis zur Brücke von Davesco problemlos begangen werden, sei es auf reinem Wanderweg oder auf Erschliessungsstrassen. Von der Bushaltestelle Pregassona, beim Kreisel, nach Norden gehen und in die erste Strasse links einbiegen. Wir sind in der Via Stazione. Talwärts wandern bis zur ersten Strassenkreuzung. Die von links komende Strasse liegt auf dem Bahntrassee. Rechts der Strassenkreuzung lag das Stationsgebäude. Wir gehen nun nach rechts Richtung Dino. Die Strasse teilt sich nun in drei schmälere Wege auf, wir wählen den mittleren welcher durch zwei Schranken den Autos den Zugang verhindert.
Der Weg auf dem Bahntrassee führt nun in dauernder leichter Steigung und kurven-reich dem linken Talhang entlang, über einen kleinen Viadukt und durch den Tunnel von Soragno. In Davesco wechseln wir zur nahen Hauptstrasse und warten auf den Bus. Anders als auf dem gegenüber liegenden Trassee der LT haben wir hier keinen Wald sondern Gärten und Wiesen am Weg. Nicht selten haben wir auch schöne Palmen neben dem Trassee stehen. Die Wanderung liegt hier allerdings voll an der Sonne und ist im Hochsommer für "Nordländer" vielleicht weniger geeignet.
Wanderzeit: 40 Minuten
Betriebsaufnahme Strecke:
Lugano P. Manzoni - Dino
27.06.1911
Betriebseinstellung Strecke:
Lugano P. Manzoni - P. Indipendenza
27.11.1967
Lugano P. Indipendenza - Dino
30.05.1970
Streckenabbruch
anschliessend
Ersatzbetrieb
Bus
Streckenlänge
7,8 km
Strassenstrecken
2,1 km
Spurweite
1000 mm
Kleinster Kurvenradius
40 m
Grösste Neigung
40 0/00
Anzahl Weichen
14
Anzahl Stationen und Haltestellen
16
Tiefste Station (Lugano)
272 m.ü.M.
Höchste Station (Dino)
482 m.ü.M.
Depot / Werkstätte
Lugano - La Santa
Anzahl Tunnel
2
Anzahl Brücken (über 2 m Länge)
9
Betriebsart
Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab
Eröffnung
Stromsystem
Gleichstrom
Spannung
1000 V
Personalbestand
20
Beförderte Personen 1936
391 704
Beförderte Personen 1969
361 328
Anzahl Zugspaare
13
Kupplungssystem
+GF+
Bremssystem
elektr. Bremse / Vakuum
Stromabnehmer
Panto
Fahrzeugbreite
2,60 m
Anstrich der Personenfahrzeuge
blau / weiss
Höchstgeschwindigkeit
55 km/h
Triebfahrzeuge
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Leistung
Plätze
Bemerkungen
m
t
PS
2
BDe 2/3
1
1911
SWS/Alioth
11,04
16
130
24
1972 Abbruch
BDe 2/3
2
1911
SWS/Alioth
11,04
16
130
24
1972 Abbruch
BDe 2/3
3
1911
SWS/Alioth
11,04
16
130
24
1972 Abbruch
BDe 2/3
4
1911
SWS/Alioth
11,04
16
130
24
1972 Abbruch
Be 2/2 1)
6
1910
SWS/MFO
8,60
11
96
18
1965 Abbruch
Be 2/2 1)
7
1910
SWS/MFO
8,60
11
96
18
1965 Abbruch
Be 2/2 1)
8
1910
SWS/MFO
8,60
11
96
18
1965 2)
Be 4/4
9
1955
ACMV/BBC
16,50
28
280
64
1973 an MOB
Be 4/4
10
1937
SIG/BBC
13,60
13
112
36
1972 Abbruch
1) Diese Tramwagen wurden 1953 von der eingestellten TEM übernommen. (TEM Ce 2/2 Nr. 2, 5, 3)
2) Der Wagen wurde als TEM Ce 2/2 2 ab 1968 in Mendrisio als Denkmal im Freien aufgestellt. 2006 wurde er mustergültig restauriert und geschützt vor dem Hotel Coronado aufgestellt. Er erhielt nun wieder den TEM Anstrich und die Nr. 3.
Personenwagen
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Plätze
Bemerkungen
m
t
2
B2
11
1911
SWS
9,90
7
32
1970 an Privat
B2
21
1911
SWS
9,87
5
40
1972 an Privat 1)
B2
31
1889
SIG/Regazzoni
10,75
6
48
1972 an Privat 2)
B
41
1945
SIG
13,17
8
48
1978 Abbruch
B
42
1946
Hochstrasser
13,03
8
52
1978 Abbruch
1) 1990 ging dieser Wagen aus Privatbesitz zur Museumsbahn Blonay Chamby BC.
2) 1998 ging dieser Wagen an die Touristikbahn FM (Misoxerbahn) Abbruch 2011
Güterwagen
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Lade-
Bemerkungen
m
t
gewicht t
Ek
51
1911
SWS
5,73
3
5
1972 Abbruch
Ausserdem war ein Montagewagen für den Fahrleitungsunterhalt vorhanden.
Name
Bahn km
Höhe m.ü.M.
HG
NG
R
DW
Lugano Piazza Manzoni
0.0
272
2
Piazza Indipendenza
0,5
275
2
Corso Elvezia
*
*
1
Ospedale
*
*
2
Ponte Madonetta
*
*
1
La Santa Depot
1,6
282
1
6
1
La Santa
2,0
286
2
Scarpino
2,3
303
1
Viganello
2,9
322
2
Viarnetto
3,3
348
1
Pregassona
3,9
351
1
Ventuno
4,6
374
1
Soragno
5,2
394
1
Davesco
5,8
412
1
Cadro
7,1
456
1
Dino
7,8
482
2
1
HG
=
Hauptgleis
NG
=
Nebengleis
R
=
Remise
DW
=
Depot / Werkstätte
Lugano Seepromenade, Doppeltraktion mit Zwischenwagen. 1965
La Santa. 1966
Der Be 2/2 6 (ex TEM Ce 2/2 2) auf dem Tram- kurs La Santa - Lugano. 1961
Depot La Santa mit Be 4/4 10 ex Biel - Meinisberg Bahn BMB. 1966
Be 4/4 9, kam nach der Betriebseinstellung zur MOB. 1966
Die BDe 2/3 3 und 4 in La Santa.
Be 2/2 7 und 8 vor dem Depot. Diese von der eingestellten TEM übernommenen Fahrzeuge verkehrten ausschliesslich auf der Stadt- strecke bis La Santa. 1964 Foto H. Walburger
Beim Depot La Santa. 1966
La Santa Scuola. 1966
Kreuzungsstation Viganello. 1970
Zwischen der Station und dem Tunnel Viganello. Foto M. Grandguillaume
Unterhalb dem Viganello Tunnel. 1970 Foto M. Grandguillaume
Viarnetto, oberes Tunnelportal. 1970
Station Pregassona. 1966
Bei Pregassona. 1966
Station Ventuno. 1970 Foto M. Grandguillaume
Der Soragno-Tunnel. 1966
Station Soragno. 1966
Die Cossio Brücke bei Davesco mit ex BMB Triebwagen. 1966
Station Cadro, Zug mit Milchwagen (die Kannen warten zum Verlad).
Einfahrt in die Station Dino. 1966
Endstation Dino mit Remise. 1966
Der open-air Wagen B2 21 wartet in Dino auf sein Zugpferd. 1966
Der Be 4/4 9 in Dino zur Abfahrt bereit. 1965
BDe 2/3 2 mit B 42 vor der Abfahrt in Dino. 1966
30.05.1970 Tag der Betriebsumstellung, die Busse warten.
Alle Fotos ohne Autorenname P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
Ausschnitt aus dem Kursbuch Sommer 1965
Das abgebaute Trassee bei der Schlaufe von Viganello (mittlere Strecke).
Abgestelltes Rollmaterial beim Viarnetto Tunnel.
Oberes Portal des Viarnetto Tunnel, heute überbaut.
Tunnel von Soragno mit abgestelltem BDe 2/3 2 Alle Fotos R.Werder
Lugano Piazza Manzoni. Hier startete die LCD zur Fahrt nach Dino.
Das Depot von La Santa, heute Busgarage. Das Streckengleis lag in der Strasse, links hinter der Hecke.
Hier bei La Santa Scuola begann das Eigentrassee welches bis Dino führte. Die Bahn verlief auf dem Fussweg links.
Mit mässiger Steigung dreht das Trassee nach Norden.
Hier beginnt die 40 0/00 Steigung.
An diesem Ort lag die Haltestelle Scarpino.
Hier beginnt die Doppelschlaufe, immer mit 40 0/00 Steigung.
Das ziemlich verengte Trassee führt nun nach Süden.
Wir schauen zurück auf das Gebiet der Haltestelle Viganello. Hier war die einzige Kreuzungs-möglichkeit zwischen La Santa und Dino.
Nun beginnt die obere Schlaufe und führt die Strecke wieder nordwärts.
Nach dem Ueberqueren der Hauptstrasse nach Pregassona sind wir im Einschnitt zum Viganello Tunnel (auch Viarnetto Tunnel genannt).
Das untere Tunnelportal.
Nach etwa 30 Meter ist der gut erhaltene Tunnel zugemauert. Das obere Portal mit dem Einschnitt ist zugeschüttet und überbaut. Bis Pregassona ist vom Trassee nichts mehr zu sehen.
Wenige Meter nach der Haltestelle Pregassona ist das Trassee wieder erhalten.
Der kleine, schön restaurierte Viadukt über ein Bächlein.
Der wunderschön hergerichtete (Trassee) -Wanderweg.
Hier vorne lag die Haltestelle Ventuno.
Eine neue Mauer wird erstellt, leider nicht mehr für die Bahn. Im Vordergrund lag die Haltestelle Soragno.
Noch führt das Trassee über freies Land, doch die Bauprofile stehen schon.
Kurvenreich gehts Richtung Soragno Tunnel.
Ein hoher Damm mit Durchlass überquert einen weitern Bach.
Und hier sind wir beim 65 Meter kurzen Soragno Tunnel.
Das Nordportal.
Wieder wird ein Bachtobel auf einem Damm überquert.
Zwischen Palmen steigt das Trassee dauernd an.
Von dieser Eisenbrücke in Davesco blieb nur das obere Widerlager erhalten.
Ein Teil des Bahnkörpers wurde hier bereits zum Garten geschlagen.
Schon kommt die Cossio Brücke bei Davesco in Sicht.
Während der bergseitige gemauerte Brückenteil mit der Eisenbrücke erhalten blieb, wurde der talseitige gemauerte Bogen über die Strasse abgebrochen.
Der obere Brückenteil von der Bergseite.
Die Brücke vom obern gemauerten Brückenteil gesehen.
Hier sind von der Brücke aus die letzten Meter Trassee zu sehen.
Dem alten Geländer entlang führte die Bahnstrecke. Der ganze Streckenteil von hier bis Dino wurde zur Umfahrungsstrasse von Cadro erweitert.
Die Bahn kam mit deutlich weniger Platz aus.
Wir stehen in Dino auf der neuen Strassenbrücke. Zur Bahnzeit war hier auf der linken Seite die Bahnbrücke und rechts die alte Strassenbrücke. Das Trassee führte nach links in die gleich anschliessende Station Dino.
Die Endstation Dino kommt in Sicht. Links von den Alleebäumen lagen die beiden Stationsgleise.
Stationsgebäude Dino, Gleisseite. Im Gebäude hat sich ein Lebensmittelgeschäft niedergelassen.
Das schön renovierte Gebäude von der Strassenseite.
Hier stand die zweigleisige Remise gleich anschliessend an das Stationsgebäude. Es gab nur gerade 3 Weichen auf der Endstation.