Lugano Bahnhofplatz mit BDe 4/4 2 Foto P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
Die Bahn fuhr ab Lugano in die nördliche Richtung.
Die Lugano-Tesserete Bahn hatte die Aufgabe zusammen mit der Lugano-Cadro-Dino Bahn das Cassarate Tal verkehrsmässig an die Stadt Lugano anzubinden. Da die ursprünglichen Siedlungen nicht im Talboden sondern beidseits an den Hängen liegen, mussten zwei unabhängige Bahnlinien erstellt werden. Die Bedienung der rechten Talseite übernahm die LT die den Betrieb 1909 aufnehmen konnte.
Während der Personenverkehr stetig anstieg blieb der Güterverkehr auf sehr kleinem Niveau stehen. Mit der einsetzenden Besiedelung des Tales wurde die Bahn zusehend von Pendlern und Schülern frequentiert, daneben wurde sie jedoch auch von Touristen gerne benutzt.
Auch diese Bahn musste leider bis zur Einstellung mit dem Rollmaterial aus der Eröffnungszeit auskommen. Einzige Neuanschaffung blieb der 1948 gelieferte vierachsige Personenwagen. Die Bahn hatte einen grossen Erneuerungsbedarf und als sich bei einem Brückenpfeiler ein Festigkeitsproblem zeigte, nahm das Bundesamt für Verkehr diesen Umstand zum Anlass den Bahnbetrieb sofort einzustellen. Dass der provisorische Busbetrieb zu einem Dauerzustand werden würde war allen klar.
Dabei hätte man diese Bahn mit relativ kleinem Aufwand auf vollständiges Eigentrassee verlegen können. Ein betrieblicher Zusammenschluss mit der Ponte Tresa Bahn (heute eine "Metro" die im 15 Minutentakt verkehrt) hätte Lugano eine einmalige Durchmesserlinie gebracht. Doch die Politik wollte den Bus, der fährt nun auf verstopfter Strasse und der Betriebsverlust ist auch nicht kleiner geworden.
Die LT hatte ihren Ausgangspunkt auf dem Bahnhofplatz von Lugano wo sie ein eigenes, kleines Stationsgebäude besass. Mit der fast am selben Ort beginnenden Lugano-Ponte Tresa Bahn bestand eine Gleisverbindung über eine Rampenstrecke. Das Gleis diente ausschliesslich dem Rollmaterialaustausch.
Auf dem ersten Streckenkilometer wurde die Strasse mitbenutzt, anschliessend noch ein Stück in Randlage bevor sich das Gleis endgültig von der Strasse trennte. Die Bahn fuhr am Hang mit schönem Ausblick auf Lugano und das Cassaratetal. Ungefähr in Streckenmitte befand sich die einzige Kreuzungsstation die jedoch für den damaligen Betrieb absolut genügte. Durch Wiesen und Kastanienwälder, über Brücken und durch einen Tunnel gelangte man ins stattliche Dorf Tesserete. Hier befanden sich auch Depot und Werkstätte.
Die Fahrzeit betrug 24 Minuten.
Streckenskizze map.search.ch
Als Zeugen der LT gibt es in Tesserete noch das Stationsgebäude und die Depot- und Werkstättegebäude welche heute dem Busbetrieb dienen und vorzüglich renoviert sind. In Lugaggia finden wir noch den Unterstand der Haltestelle. Der Tunnel ist ebenfalls noch vorhanden, die beiden Portale sind allerdings abgeschlossen. Zwischen Lugano und Canobbio ist vom Trassee nichts mehr geblieben. Vom zweiten Streckenteil bis Tesserete ist das Trassee fast vollstädig erhalten, teils als Wanderweg, Erschliessungsstrasse oder auch von der Natur übernommen und nur schwer zu begehen. Die meisten Brücken sind noch vollständig oder als Fragmente erhalten.
Als Trasseewanderung bietet sich einzig das Teilstück von Tesserete bis Sureggio an (ca. 3 km). Die Wanderung ist abwechslungsreich und führt über zwei Brücken, teils Naturbelag, teils Asphalt und meistens im Wald, also auch in der warmen Jahreszeit angenehm. Ausgangspunkt ist die Bushaltestelle Tesserete (ehemalige Bahnstation). Man überquert die Hauptstrasse und geht auf das schmale Natursträsslein (Bahntrassee) welches sich talseitig der Hauptstrasse leicht absenkt. In Lugaggia muss die abgebrochene Bahnbrücke mit überqueren der Haupt-strasse und anschliessendem kurzen Treppensteigen umgangen werden. In Sureggio (bei der Bahnbrücke) ist die Trasseewanderung zu Ende. Man kann nun zu der tiefer liegenden Haupt-strasse absteigen und mit dem Bus die Rückfahrt antreten.
Wanderzeit: 50 Minuten
Betriebsaufnahme Strecke:
Lugano SBB - Tesserete
28.07.1909
Betriebseinstellung Strecke:
Lugano SBB - Tesserete
27.05.1967
Streckenabbruch
anschliessend
Ersatzbetrieb
Bus
Streckenlänge
7,8 km
Strassenstrecken oder in Randlage
3,8 km
Spurweite
1000 mm
Kleinster Kurvenradius
50 m
Grösste Neigung
60 0/00
Anzahl Weichen
14
Anzahl Stationen und Haltestellen
10
Tiefste Station (Lugano SBB)
335 m.ü.M.
Höchste Station (Tesserete)
516 m.ü.M.
Depot / Werkstätte
Tesserete
Anzahl Tunnel
1
Anzahl Brücken (über 2 m Länge)
12
Betriebsart
Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab
Eröffnung
Stromsystem
Gleichstrom
Spannung
1000 V
Personalbestand
14
Beförderte Personen 1935
265 505
Beförderte Personen 1966
451 208
Beförderte Güter 1935
1 295 t
Beförderte Güter 1966
1 295 t
Anzahl Zugspaare
13
Kupplungssystem
Zp 2
Bremssystem
elektr. Bremse / Vakuum
Stromabnehmer
Panto
Fahrzeugbreite
2,70 m
Anstrich Personenfahrzeuge
blau / weiss
Höchstgeschwindigkeit
45 km/h
Triebfahrzeuge
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Leistung
Plätze
Bemerkungen
m
t
PS
2
BDe 4/4
1
1909
SWS/Alioth
15,61
24
380
48
1967 an FART
BDe 4/4
2
1909
SWS/Alioth
15,61
24
180
48
1968 Abbruch
BDe 4/4
3
1909
SWS/Alioth
15,61
24
284
48
1968 Abbruch
Personenwagen
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Plätze
Bemerkungen
m
t
2
B2
11
1909
SWS
8,10
7
32
1970 Abbruch
B2
12
1910
SWS
10,43
8
40
1970 Abbruch
B2
13
1904
SIG
9,34
7
32
1970 Abbruch
B2
14
1904
SIG
9,34
8
32
1970 Abbruch
B
15
1948
SIG
14,74
12
64
1967 an FART
B2
16
1916
SIG
10,00
8
40
1970 Abbruch
B2
17
1916
SIG
10,00
8
40
1970 Abbruch
Güterwagen und Dienstwagen
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Lade-
Bemerkungen
m
t
gewicht t
K
21
1909
SWS
6,30
4
6
1968 an FLP
K
22
1909
SWS
6,30
4
6
1968 an FLP
L
31
1909
SWS
6,30
4
6
1967 Abbruch
M
41
1909/51
SWS
6,30
5
6
1967 Abbruch
S
51
1911
*
2,80
1
1
1967 Abbruch
S
52
1918
*
3,02
1
2
1967 Abbruch
Ferner war noch ein Fahrleitungs-Montagewagen vorhanden.
Name
Bahn km
Höhe m.ü.M.
HG
NG
R
DW
Lugano SBB
0,0
335
2
3
1
Massagno
0,4
343
1
Sassa
0,8
349
1
Ricordone
1,8
360
1
Belvedere di Porza
2,1
387
1
Trevano
3,1
409
1
Canobbio
3,8
421
2
Sureggio
5,5
464
1
Lugaggia
7,0
498
1
Tesserete
7,8
516
2
6
1
HG
=
Hauptgleis
NG
=
Nebengleis
R
=
Remise
DW
=
Depot / Werkstätte
Station Lugano LT. 1910 Foto MFO
Lugano LT mit BDe 4/4 1 und B 15. 1967
Abfahrbereiter Zug in Lugano LT. 1967
Der BDe 4/4 3 mit B 15 und dem K 21 in Lugano. 1967 Foto P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
BDe 4/4 2 in Lugano. 1966 Foto P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
Lugano SBB, BDe 4/4 3 beim Rangieren, ganz rechts die Remise. 1966 Foto P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
Zug der LT auf der Rampe zur Station Lugano LT. Links die Abstell- und Umladegleise sowie die kleine Remise. 1967
Die Umladegleise SBB / LT mit der Remise. Foto R. Werder
Ausfahrt aus der Station Lugano. 1967
Der Zug fährt in die Via San Gottardo ein. Oben rechts die LT Remise. 1967 Foto M. Grandguillaume
Nach Lugano fahrender Zug biegt von der Via Tesserete in die Via San Gottardo ein. 1967 Foto M. Grandguillaume
In Lugano Sassa mit Zug nach Lugano. 1967 Foto M. Grandguillaume
Der Zug nach Lugano macht Halt in Ricordone. 1967
Der einzige Tunnel, bei Belvedere di Porza. (Südportal) 1967
Bei der Haltestelle Belvedere di Porza. 1967 Foto M. Grandguillaume
In der Nähe von Belvedere di Porza. 1967
Canobbio, die einzige Kreuzungsstation auf der ganzen Strecke. 1967
Auf der Gane Brücke. 1967 Foto M. Grandguillaume
Auf der Brücke bei Sureggio. 1964
Vor Lugaggia mit Zug nach Tesserete. 1967 Foto M. Grandguillaume
Auf der Station Lugaggia. 1967
In der Endstation Tesserete. 1967
Bereit zur Abfahrt in Tesserete.
Tesserete, im Hintergrund das Depot. 1967 Foto M. Grandguillaume
Blick vom Depot gegen die Stationsausfahrt. Foto M. Grandguillaume
Der BDe 4/4 1 vor der Wagenremise in Tesserete. 1967
Die alten Zweiachser im Depot Tesserete. Foto R. Werder
Der B2 11 in Lugano. 1967
Alle Fotos ohne Autorenname: J.- L. Rochaix
Ausschnitt aus dem Kursbuch Sommer 1965
Der Bahnhofplatz von Lugano. Ganz im Hintergrund war die Station der LT.
Rechts bei der Telefonkabine befand sich das eigene, kleine Stationsgebäude der LT. Auf der linken Seite ist die heutige Bushaltestelle zu sehen.
Links von der Fussgängerrampe war einst das Streckengleis zwischen Bahnhofplatz und der Via San Gottardo. Auf dem Parkplatz daneben war die kleine Wagenremise und gegen die SBB Anlagen hin die Abstell- und Umladegleise der LT.
Die Via Tesserete an der Stadtgrenze. Die LT fuhr hier links im Strassenplanum.
Der einzige Tunnel der LT war bei Belvedere di Porza. Er umging eine enge Strassenkurve. Im Bild das Südportal.
Und hier auch noch das Nordportal des 68 Meter langen Tunnels.
Nach dem Aussenbezirk von Lugano lag das Gleis bergseitig in Strassenrandlage.
Diese grandiose Sicht auf Lugano und den See hatte der Zugpassagier.
An einigen Stellen sind noch die Betonnischen der Fahrleitungsmasten zu sehen.
Wir befinden uns bei der Bushaltestelle von Canobbio. Die einzige Kreuzungsstation der LT befand sich hinter dem roten PW. Genau über dessen Dach sehen wir den Beginn des nach rechts ansteigenden Eigentrassee.
Auf den ersten Metern des Eigentrassee das von hier bis Tesserete durchläuft.
Die Gane Brücke mit dem abgebauten eisernen Mittelfeld. Auch diese enge Kurve der Haupt- strasse ist inzwischen stillgelegt und durch eine gestreckte Neuanlage ersetzt.
Der nördliche Brückenkopf.
Eine Hangverbaung oberhalb des Trassee à la LT.
Hinter uns liegen einige Meter Asphalt auf dem Bahnkörper. Es wurden mehrere Einfamilienhäuser erstellt. Weiter gehts als Fussweg.
Bald einmal taucht hinter dem stark bewachsenen Trassee dieser kleine Viadukt vor Campea auf. Die in den letzten Betriebsjahren eingebauten eisernen Brückenträger zeugen von den Problemen die mehrere Brücken verursachten und dann auch zum willkommenen Einstellungsgrund wurden.
Zwischen berg- und talseitigen Stützmauern gehts weiter.
Und schon steht man vor einer Brücke über die es kein durchkommen gibt.
Ein längerer Abstieg ins Tobel gewährt einen beschränkten Blick auf die Campea Brücke. Während der Vegetationsperiode ist von der Brücke nicht viel zu sehen.
Blick nach oben auf den Brücken-Mittelteil.
Immer am Hang entlang und im Wald gehts kurvig weiter.
Vorne ist das Trassee völlig zugewachsen und verbirgt bereits die nächste Brücke.
Diese Brücke vor Sureggio ist etwas kleiner aber noch sehr gut erhalten.
Aber auch hier ist ein Begehen nicht zu verantworten.
Nun ist das Trassee wieder gerodet. Wir nähern uns dem Wohngebiet von Sureggio.
Zwischen Einfamilienhäusern liegt die Sureggio Brücke.
Von hier hat man einen sehr schönen Blick taleinwärts.
Die Sureggio Brücke ist als einzige Eisenbrücke für Fussgänger begehbar.
Auch ein leicht verkürzter Fahrleitungsmast ist hier noch zu sehen.
Ab der Sureggio Brücke ist das Trassee wieder ein längeres Stück asphaltiert.
Auch dieser kleine Viadukt dient heute der Erschliessungsstrasse.
Ein ganz neues Quartier ist hier entstanden.
In dieser Gegend lag die Haltestelle Sureggio.
Wieder führt das Trassee über einen kleinen Viadukt, nun aber ohne Hartbelag.
Im Einschnitt durch den Felssporn bei Piano.
Wo die Trockenmauer schadhaft ist beginnt der Hang zu rutschen.
Ein angenehmer Spazierweg, im Sommer grösstenteils im Schatten.
Durch diese hohle Gasse kommen wir nach Lugaggia.
Doch vorher ist noch die Brücke über die Hauptstrasse zu passieren.
Heute ist allerdings nur noch der südliche Brückenkopf erhalten, auf der nördlichen Seite sieht man den noch erhaltenen Bahndamm.
Der Brückenkopf vom Strassenniveau aus gesehen.
Wir stehen auf dem Bahndamm gleich nach der Brücke. Das Trassee liegt hinten auf der Neben- strasse welche horizontal nach rechts abbiegt, die Hauptstrasse jedoch steigt weiter an.
Das Bahntrassee bei der Haltestelle Lugaggia.
Der ehemalige, nun zugemauerte Unterstand der Haltestelle. Durch die Maueröffnung führt eine Treppe auf das darüberliegende Strassenniveau.
Nun dreht die Strecke nach nordwesten und gegen Tesserete zu.
Das Trassee ist zum gut unterhaltenen Wanderweg geworden.
Und hier folgt der letzte Viadukt. Noch gut sichtbar die Verankerungen für den Fahrleitungsmast.
Links noch gut erhalten der Entwässerungsgraben.
Von der oben liegenden Hauptstrasse senkte sich ein schmaler Weg zum Bahnübergang.
Hier querte die Bahn die Hauptstrasse und führte in die dahinter liegende Endstation Tesserete.
Das Stationsareal von Tesserete, weiterhin vom Busbetrieb genutzt. Rechts das Stationsge- bäude, dahinter nur teilweise sichtbar die Werkstätte und links daneben das Depotgebäude, heute Busgarage.
Alle Fotos: J. Ehrbar März 2008
Der B 15 gelangte nach der Betriebseinstellung 1967 zur FART. Foto J.-L. Rochaix
Bei der FART erhielt der Wagen eine neue Bestuhlung sowie ein WC eingebaut. Die Bezeichnung war nun A 130. 1979 Foto J. Ehrbar
1991 wurde der A 130 an die SSIF abgetreten. 2007 Foto M. Rinaldi