Wohlen liegt 8 km nach Lenzburg an der Strecke nach Arth-Goldau.
Die Gemeinden zwischen Wohlen und Hallwilersee suchten seit langem einen Bahnanschluss an die Südbahn. Die noch wenig industriealisierte Gegend versprach aber kein grosses Verkehrsaufkommen und so konnte während vielen Jahren kein konkretes Projekt präsentiert werden. Auch hier hatte man ein Normalspur- und ein Schmalspurkomitee und beide waren von ihrem Konzept überzeugt. Ausgerechnet während dem ersten Weltkrieg konnte dann der Bau einer Normalspurbahn zwischen Wohlen und Fahrwangen gestartet werden. Man dachte sogar an eine spätere Verlängerung zur Seetalbahn. Das Stationsgebäude in Meisterschwanden wurde bereits erstellt - einen Zug hat es jedoch nie gesehen, der Weiterbau kam nicht mehr zustande. Dass die Bahn elektrisch betrieben wurde machte die Sache nicht einfacher, war doch der Kupferdraht für die Fahrleitung fast nicht zu bekommen. Nach dem Eintreffen des Fahrdrahtes konnte die Bahn dann, 1916, mitten im Krieg, eröffnet werden, und wurde wegen der Benzinknappheit sofort rege benutzt.
Die Bahn wurde recht einfach erstellt und folgte auf grossen Strecken der Hauptstrasse. Zwischen Wohlen und Villmergen liessen sich mehrere Industriebetriebe nieder und die Bahn hatte dadurch ein gutes Frachtaufkommen, wenn auch nur auf relativ kurzer Teilstrecke. In den 60er Jahren als das Rollmaterial dringend zu erneuern war, wurde eine allfällige Umstellung auf Strassentransport eingehend geprüft. Der Entscheid fiel dann zugunsten der Bahn aus und es wurde beschlossen den Gleich-strombetrieb aufzugeben und auf 15 000 V Wechselstrom umzustellen. Dazu war natürlich auch neues Rollmaterial notwendig.
Der Personenverkehr blieb aber immer unter den Erwartungen und als die besten Kunden ihre Gütertransporte auf die Strasse verlegten, war das Ende der Bahn dann doch gekommen. Die Reststrecke der WM bei Wohlen wird nun von den SBB bedient (Getreidemühle).
Da die WM in der ersten Zeit mit Gleichstrom betrieben wurde, hatte sie in Wohlen auf der Westseite eine eigene, einfache Stationsanlage mit Uebergabegleis zur SBB. Die Bahn verliess den Bahnhof in nördlicher Richtung um sich alsbald gegen Westen zu wenden und dann bei Villmergen eine südliche Richtung einzunehmen. Von hier bis Sarmenstorf lag das Gleis parallel zur Strasse. Mit Steigungen bis zu 42 0/00 wurde nun der Seerücken erklommen. Kurz vor Fahrwangen drehte die Strecke wieder in westliche Richtung und erreichte querfeldein die Endstation. Es waren keine nennens-werten Kunstbauten vorhanden. Die meisten Anschlussgleise befanden sich zwischen Wohlen SBB und Villmergen.
Die Fahrzeit betrug 15 Minuten.
Streckenskizze map.search.ch
Die Strecke von Wohlen bis an den Ortsrand von Villmergen blieb als Anschlussgleis erhalten, die Reststrecke wurde abgebrochen. Das Trassee entlang der Hauptstrasse zwischen Villmergen und Sarmenstorf wurde mit einem Teerbelag versehen zum Fuss- und Veloweg. Ab Sarmenstorf ist das Trassee nur noch teilweise als Weg erhalten. Das Stationsgebäude von Villmergen wurde abgebrochen, dasjenige von Hilfikon fiel bereits 1993 Strassenumbauten zum Opfer. Die Gebäude von Sarmenstorf und Fahrwangen sind noch vorhanden, das ehemalige Depotgebäude in Fahrwangen wird als Busgarage genutzt.
2008 wurde das Stationsgebäude von Sarmenstorf abgebrochen um einer Ueberbau-ung Platz zu machen.
Am Besten beginnen wir unsere Wanderung bei der ehemaligen WM Endstation Fahrwangen-Meisterschwanden. Die Busstation heisst Fahrwangen Bahnhof. Hier sehen wir bereits das zur Busgarage umfunktionierte Bahndepot und das Stations-gebäude das nun einen Blumenladen beherbergt. Wir gehen nun beim Kiosk auf die ehemalige Gleisseite und kommen zu einem schmalen Fussweg der in nordöstlicher Richtung durch einen kleinen Einschnitt läuft. Bald dreht der auf dem Trassee liegende schmale Weg nach Norden und über Wiesen geht's nach Sarmenstorf. Ein kleiner Wassergraben war bei meiner Begehung ohne Steg und musste übersprungen werden. Unterhalb Sarmenstorf gelangt das Trassee zur Hauptstrasse und folgt dieser in unmitttelbarer Nähe bis Villmergen. Dieser Teil ist asphaltiert und als Fuss- und Veloweg vorgesehen. In Villmergen endet die Trasseewanderung. Hier kann wieder der Bus bestiegen werden.
Der erste Teil der Wanderung zwischen Fahrwangen und Sarmenstorf führt teilweise nur über einen schlechten Pfad und ist nicht für jedermann geeignet.
# 1987 von Sensetalbahn erworben (STB BDe 2/4 101).
Personenwagen
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Plätze
Bemerkungen
m
t
2
Bt
11
1966
SWP/BBC
23,60
29
72
1997 an SOB
B
26
1948
SIG
15,80
18
68
1997 an Privat 1)
1) Der B 26 wurde an den Club San Gottardo abgegeben welcher auf der Strecke Mendrisio - Stabio - Valmorea eine Museumsbahn betreibt.
Dienstwagen
Typ
Nr.
Baujahr
Lieferfirmen
Länge
Gewicht
Lade-
Bemerkungen
m
t
gewicht t
X
212
1911/64
SWS/WM
8,34
9
15
1997 an Privat
Name
Bahn km
Höhe m.ü.M.
HG
NG
DW
Wohlen
0,0
423
2
noch in Betrieb!
Villmergen
2,1
428
3
4
Hilfikon 1)
3,8
479
1
1
Sarmenstorf
6,4
527
2
2
Fahrwangen-Meisterschw.
8,2
538
2
4
1
1) Das Nebengleis (Stumpen) wurde bereits 1993 abgebrochen.
HG
=
Hauptgleis
NG
=
Nebengleis
DW
=
Depot / Werkstätte
Zuglaufschild.
Zur Gleichstromzeit bei Villmergen (Rangierfahrt). 1965
Zur Gleichstromzeit. Im Industriegebiet von Villmergen. 1965
Fahrwangen-Meisterschwanden zur Gleichstromzeit. 1965
Fahrwangen-Meisterschwanden zur Gleichstromzeit. 1965
Andenken an die Gleichstromzeit im Stumpengleis von Hilfikon.
Der moderne Wechselstrom-Triebwagen vor der Abfahrt in Wohlen SBB (Zug fährt nach rechts).
Villmergen, die Triebwagen waren meistens als Alleinfahrer unterwegs.
Villmergen, Em 4/4 151. Die Diesellok war zur Bedienung der nicht elektrifizierten Industrieanschlüsse notwendig.
Station Villmergen.
Der Zug verlässt Villmergen.
BDe 4/4 1 bei Hilfikon.
Bei Hilfikon im Anstieg nach Sarmenstorf.
Station Sarmenstorf.
Bei den ersten Häusern von Fahrwangen.
Pendelzug in Fahrwangen-Meisterschwanden.
Fahrwangen-Meisterschwanden.
Das Depot in Fahrwangen.
Die Em 2/2 101, X 212 und B 26 hinter dem Depot Fahrwangen.
Alle Fotos P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
Ausschnitt aus dem Kursbuch Sommer 1971
Wir beginnen die Streckenbesichtigung in Fahrwangen. Das Stationsgebäude von der Strassen-seite, heute Blumengeschäft.
Die Gleisseite mit der noch vorhandenen Perronkante, hinten das Depot.
Das ehemalige Depotgebäude der WM, heute Busgarage. Beim Bahnbetrieb waren die Zufahrten vorn im dunkeln Fassadenbereich. Die Autos fahren nun seitlich ein.
Stationsbereich vom Depot aus gesehen. Im Hintergrund die Ausfahrt.
Stationsausfahrt Fahrwangen mit ehemaliger Perronkante.
Die Ausfahrkurve im kleinen Geländeeinschnitt.
Das Trassee, nun mit Fussweg, wendet sich nordwärts.
Auch als Parkplatz eignet sich ein Bahntrassee.
Zwischen zwei Fabrikhallen zieht der Bahndamm Richtung Sarmenstorf.
Die ersten Häuser von Sarmenstorf sind erreicht.
Im Hintergrund wurde das Bahntrassee bereits den Gärten einverleibt.
Es gibt keinen Zweifel über den Standort.
Das ehemalige Stationsgelände von Sarmenstorf.
Stationsgebäude Sarmenstorf Gleisseite.
Und hier die Strassenseite des Gebäudes, heute Kinderhort.
Die kleine Brücke bei der Station Sarmenstorf. Es waren noch zwei weitere ähnliche Brücken vorhanden, grössere Kunstbauten gab es nicht.
Hier ist das Trassee mit altem Gras bedeckt und nicht begehbar.
Durch eine neue Siedlung nähert sich das Trassee nun der Hauptstrasse.
Hier bei der braunen Orientierungstafel stiess das von links kommende Trassee zur Hauptstrasse und folgte dieser bis Villmergen.
Die ganze Strecke Sarmenstorf - Villmergen wurde zum Fuss- und Radweg.
Hilfikon. Die Haltestelle lag weiter unten nach dem letzten Haus.
Die Haltestelle Hilfikon. Links ist die Fussgängerunterführung zu sehen. Das links stehende Stationsgebäude wurde abgebrochen und durch ein Gewerbegebäude ersetzt .
Mit der grössten Neigung von 42 0/00 gehts dem Talboden entgegen.
Näher konnte ein Gebäude wohl nicht an der Bahn stehen. Im Hintergrund der Kirchturm von Villmergen.
Wir erreichen nun die ersten Häuser von Villmergen.
Die Bahn überquerte hier die hinten sichtbare Hauptstrasse.
Hier wird schon bald ein Teil vom ehemaligen Trassee überbaut. Auf der linken Seite des Hochhauses lag das Stationsgebiet von Villmergen.
Links im Bild lagen die Stationsgleise, rechts das Stationsgebäude.
Durch diese Durchfahrt bei der Mühle fuhren einst die WM Züge.
Das Trassee ist nun bei den letzten Häusern von Villmergen angelangt. Es führte über den Kiesplatz nach hinten.
Das Schotterbett und das heutige Gleisende des Anschlussgleises sind erreicht.
Blick in die Gegenrichtung mit den Gleisenden.
Wir sind nun im Industriegebiet zwischen Villmergen und Wohlen.
Nach den Fabrikanschlussgleisen geht es wieder einspurig weiter.
Mit einer Kurve gegen Süden nähern wir uns dem Bahnhof Wohlen SBB.
Hier mündet die WM Strecke in den Bahnhof Wohlen ein. Die WM Reststrecke ist zwar noch mit Fahrleitung ausgerüstet, doch ist diese spannungslos und von der SBB Fahrleitung abgetrennt. Man sieht in der Mitte den "leeren" WM Masten.
Wohlen SBB. Links das ehemalige WM Gleis mit der Wartehalle. Der Perron war wesentlich länger, er wurde durch die Schalllschutzmauer verkürzt.
Bahnhof Wohlen mit dem Mittelperron und links dem ehemaligen WM Perron.