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Triebfahrzeugpräsentation beim Depot Engi-Vorderdorf.                    Foto  P. Sutter



Schwanden liegt an der Strecke Ziegelbrücke - Linthal.



Nachdem bereits 1879 das Grosstal durch eine Normalspurbahn erschlossen wurde und damit Industrie und Fremdenverkehr neue Impulse gab, blieb das in Schwanden einmündende Klein- oder Sernftal verkehrsmässig unerschlossen. Die Strasse war eng, steigungsreich und schlecht unterhalten. Die ansässige Spinnerei- und Schieferindustrie musste immer höhere Transport-kosten bezahlen.

Man liebäugelte natürlich auch im Sernftal mit einer normalspurigen Zweiglinie, obschon man im Hinterkopf genau wusste, dass eine so teure Bahn hier keine Chance hatte. Aber eigentlich wäre man ja auch mit einer Schmalspurigen absolut zufrieden.

Einige Industrielle machten sich ans Projektieren und auch die Regierung in Glarus war dem Vorhaben nicht abgeneigt. Es standen eine dampf oder elektrisch betriebene Schmalspurbahn sowie eine elektrische Strassenbahn mit eigenem Kraftwerk zur Diskussion. In der Rentabilitäts-rechnung siegte die Strassenbahnvariante. 1892 wurde von der Landsgemeinde die Verwen-dung der Wasserkräfte sowie die Uebernahme eines Aktienpaketes bewilligt.

Trotzdem wurde es 1904 bis der Bahnbau endlich begann. Die Finanzierung machte Probleme und das geplante Kraftwerk fand zuwenig Privatkunden für die neue Energie um rentabel zu produzieren.

Obwohl die Frequenzen dauernd anstiegen und auch der Güterverkehr befriedigend war, kam die Bahn nie auf einen grünen Zweig. Während die Zwischenstationen touristisch keine allzugrosse Bedeutung hatten, konnte sich in Elm ein stabiler Sommer- und Wintertourismus etablieren.

Die einzige Bahn-Modernisierung fand 1949 mit der Inbetriebnahme von drei vierachsigen Triebwagen statt. Die Naturgewalten mit jährlichen Murgängen und Lawinen bescherten Betriebsunterbrüche, beschädigtes Rollmaterial und Fahrleitungen. In den 60er Jahren waren die festen Anlagen derart abgenutzt dass ein Weiterbetrieb nicht mehr zu verantworten war. Im Mai 1969 fand die Abschiedsfahrt statt. Der Bus hielt Einzug.



Die schmalspurige, von Anfang an elektrisch betriebene Strassenbahn nahm ihren Anfang auf dem Bahnhofplatz von Schwanden an der SBB Strecke Ziegelbrücke - Linthal. Hier befand sich der Güterumschlag mit der Normalspur sowie eine zweigleisige Remise. Praktisch ausschliess-lich im Planum der schmalen Talstrasse durch  das Kleintal und mit sehr engen Dorfdurch-fahrten erreichte die Bahn den Endpunkt Elm. Ungefähr im ersten Streckendrittel bei Engi-Vorderdorf befanden sich Depot und Werkstätte. Enge Kurvenradien und starke Steigungen erschwerten den Betrieb. Die sehr engen Ortsdurchfahrten zusammen mit dem Individual-verkehr brachten manchen Wagenführer zum Schwitzen. Die Bahn wies keine nennenswerten Kunstbauten auf.

Die Fahrzeit betrug 40 Minuten.

Streckenskizze                                                               map.search.ch



Die noch vorhandenen Zeugen des Bahnbetriebes sind recht spärlich. In Engi-Vorderdorf und Elm stehen noch die schön renovierten Stationsgebäude die als Busstationen dienen, in Elm die gut erhaltene Fahrzeugremise. In Matt-Station und Engi-Hinterdorf blieben die Stationsräumlichkeiten ebenfalls erhalten.



Betriebsaufnahme Strecke:                                                            
Schwanden - Elm             7.08.1905             
Betriebseinstellung Strecke:
Schwanden - Elm            31.05.1969
Streckenabbruch                1969
Ersatzbetrieb                 Bus
Streckenlänge                   13,8  km
Strassenstrecken                   13,5  km
Spurweite                  1000  mm
Kleinster Kurvenradius                      39  m
Grösste Neigung                  68  0/00
Anzahl Weichen                 30
Anzahl Stationen und Haltestellen                 13
Tiefste Station         (Schwanden)               521  m.ü.M.
Höchste Station             (Elm)               962  m.ü.M.
Depot / Werkstätte         Engi-Vorderdorf
Anzahl Tunnel                 ----
Anzahl Brücken    (über 2 m Länge)                   2     (eigene)
Betriebsart             Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab             Eröffnung
Stromsystem            Gleichstrom
Spannung                        800  V
Personalbestand                  21
Beförderte Personen    1935              163 794
Beförderte Personen    1966              294 144
Beförderte Güter         1935                      8 579  t
Beförderte Güter         1966                      5 623  t
Anzahl Zugspaare                  12
Kupplungssystem                +GF+
Bremssystem  elektr. Bremse / Druckluft
Stromabnehmer                Panto
Fahrzeugbreite                      2,40  m
Anstrich der Personenfahrzeuge                 rot
Höchstgeschwindigkeit                    40  km/h



Triebfahrzeuge

Typ        Nr.   BaujahrLieferfirmenLänge   GewichtLeistungPlätzeBemerkungen 
   m    t   PS   2
BDe 2/2  3  1905MAN/MFO 10,17   15  140  181970  Abbruch
BDe 2/2  4  1928MAN/MFO 10,42   15  160  181969  an BC
BDe 4/4  5  1949SWS/MFO 15,92   25  400  401969  an AOMC
BDe 4/4  6  1949SWS/MFO 15,92   25  400  401969  an AOMC
BDe 4/4  7  1949SWS/MFO 15,92   25  400  401969  an AOMC
Xe 2/2 221905/55MAN/SeTB 10,30   15  146   --1970  an OJB

Personenwagen

Typ    Nr.   Baujahr LieferfirmenLänge   GewichtPlätze  Bemerkungen
   m     t   2
B2 12  1905MAN 10,01     7  301969  Abbruch
B2 13  1905MAN 10,01     7  301969  an BC
B2 14  1926SWS/PAG  9,60     7  401969  an Privat
B2 15  1920SWS/SeTB  9,70     8  401969 an Eurovapor

Güterwagen

Typ   Nr.          Baujahr  LieferfirmenLänge   GewichtLade-Bemerkungen 
    m     tgewicht  t
K    31  1905MAN  5,90    4     81969  an BC
K    32  1905MAN  5,90    4     81969  Verkauft 1)
K    33  1905MAN  5,90    4     81969  Abbruch
K    34  1905MAN  5,90    4     81969  Abbruch
K    35  1929SIG  7,26    6    101969  Verkauft 2)
K    36  1920SIG  7,85    5    101969  Verkauft 3)
L 41 - 45  1905MAN  5,90    4     81969  Abbruch
L 46 - 47  1906MAN  7,30    4    101969  Abbruch
L 48 - 49  1923SIG  7,30    4    101969  Abbruch
L    50  1929SIG  7,30    4    101969  Abbruch
M     81  1913SIG  8,12    5    101969  Abbruch
M 82 - 83  1914SIG  8,12    5    101969  Abbruch
1) Der K 32 wurde als Geräteschuppen im Klöntal aufgestellt. Eine Stirnseite des desolaten Wagens kam zum Sernftalbahnmuseum nach Engi-Vorderdorf.
2) Der K 35 wurde nach der Betriebseinstellung oberhalb Engi als Geräteschuppen aufgestellt. 2012 konnte ihn der Verein Sernftalbahn übernehmen und fehlende Teile ergänzen. Er ist zusammen mit dem K 36 in der Station Engi-Vorderdorf aufgestellt.

3) Der K 36 wurde 1950 von der eingestellten WMB übernommen. 1969 wurde er von einem Alteisenhändler übernommen. Der Kasten wurde abgebrochen. Der Verein Sernftalbahn konnte das Untergestell übernehmen und stellte einen neuen Kasten her. Der neu erstandene K 36 ist nun bei der Station Engi-Vorderdorf aufgestellt.

Ferner war noch ein Fahrleitungs-Montagewagen vorhanden.



Name                        Bahn km     Höhe m.ü.M. HG   NG    R    DW 
Schwanden      0,0      521  2  5   1
Wart      3,0      657  2
Engi-Vorderdorf      5,9      773  2  5  1
Engi-Hinterdorf      7,6      804  1  1
Matt-Station      9,7      848  2  2
Elm     13,8      962  2  3  1

Weitere Haltestellen waren: Au, Soolstrasse, Höfliegg, Engi-Dörfli, Matt-Dorf, Meissenboden, Schwändi.

HG   =  Hauptgleis
NG =Nebengleis
R =Remise
DW =Depot / Werkstätte



Schwanden SBB,  Bahnhofplatz mit angekommenem Zug der SeTB.
Schwanden SBB,  Schmalspurwagen am SBB Güterschuppen.
Umlad von Alpvieh in Schwanden.     1968
Schwanden SBB, offene Güterwagen der SeTB.
Die Güterumladegleise Normalspur / Schmalspur mit den beiden Typen der L Wagen.
Der BDe 4/4  6 mit einem stattlichen Zug in Schwanden.
Ein gut besetzter SeTB Zug biegt auf den Bahnhofplatz ein.
Bei der Therma Fabrik in Schwanden.
Zugskreuzung in Wart.    1967                                         Foto  M. Grandguillaume
Haltestelle Wart mit Zug Richtung Schwanden.
Richtung Schwanden fahrender Zug in Wart.
Bei Wart, Zug fährt Richtung Elm.
Talfahrender Zug bei Engi-Vorderdorf.
Depot Engi-Vorderdorf mit Xe 2/2  22 (rot) und  BDe 2/2  4 (grau).
Station und Depot Engi-Vorderdorf.
BDe 4/4  7, BDe 2/2  4 und Xe 2/2  22 vor dem Depot Engi-Vorderdorf.
Engi-Vorderdorf,  Depotvorfeld mit den beiden Behelfspersonenwagen.
Engi-Hinterdorf. Bei Zugskreuzungen musste der talwärts fahrende Zug in das Anschlussgleis fahren.   1967                                                  Foto  J.-L. Rochaix
Güterzug in Engi-Hinterdorf.     1968
Zwischen Engi-Hinterdorf und Matt
Zug Richtung Elm in Matt.
Hauptstrasse in Matt, Alptraum der Wagenführer.
Matt, da bleibt nicht mehr viel Platz für den Strassenverkehr.
Matt mit BDe 2/2  4.
Matt-Station kurz nach der Eröffnung.
Der immer noch mit der Bezeichnung BCFe 2/2  4  angeschriebene BDe auf der Station Matt.
Matt-Station.
BDe 4/4  7 in Matt-Station. 
Der BDe 4/4  5 bei Matt.
Zwischen Matt und Elm.
Beim Meissenboden
Im Lawinenkegel der Meissenbodenlawine.  1935
Im Lawinenkegel.                                                             Archiv  H. Waldburger
Ein Triebwagen der Serie BDe 2/2  1 - 4 wird aus seiner misslichen Lage im Lawinenschnee befreit.                                        Archiv  Saurer Oldtimer Museum
Blick aus dem Führerstand unterhalb Elm.                Foto  R. Werder
Auf dem kurzen Eigentrassee bei der Einfahrt nach Elm. Foto R. Werder
Der BDe 4/4  6 vor der Remise in Elm.
Station Elm.    1967                                                  
Elm, Endstation mit Remise, Blick Richtung Gleisende.
Elm mit dem kurzen Stück Eigentrassee bis zur Hauptstrasse.
Der BDe 2/2  4 der Serie 1 - 4 behielt bis zur Betriebseinstellung den grauen Anstrich.
Der Diensttriebwagen Xe 2/2  22 wurde 1955 aus dem BCFe 2/2  2 umgebaut.
1949 konnten die CFe 4/4  5 - 7 in Betrieb genommen werden. Im Bild der BDe 4/4  7.
Blick in den Führerstand eines BDe 4/4  5 -7. In der Mitte der sogenannte Führersitz, links der Kontroller für Beschleunigen und elektr. Bremsen und rechts Druckluftbremsventil und Handbremse.
Zur Erstausstattung gehörten auch die C 11 - 13. Im Bild der B2 13.
1955 konnten von der eingestellten ESZ drei Personenwagen übernommen werden.  Zwei Wagen wurden umgebaut und erhielten die Nr. 14 - 15. Der dritte Wagen kam nicht mehr zum Einsatz.
Der K 36 wurde 1950 von der eingestellten WMB übernommen.
Die L 46 - 47 konnten auch als Behelfspersonenwagen eingesetzt werden.
Der Tag des Abschieds ist gekommen.
Alle Fotos  ohne Autorenname:     P. Sutter, Archiv Tramclub Basel


Ausschnitt aus dem Kursbuch Winter 1968 / 69



Die SBB Station Schwanden mit der Halle für den Senftalbus. Auf dem Stationsplatz lagen einst die Gleise der SeTB.
Links im Bild befand sich der SBB Güterschuppen mit SeTB Gleisanschluss. Auf der rechten Seite lagen die Schmalspurabstell- und Umladegleise.
Das SBB Umladegleis ist noch vorhanden, das rechts daneben liegende der SeTB wurde abgebrochen.
Bis unter den Portalkran führte einst auch ein Meterspurgleis.                     
Die Station Engi-Vorderdorf, Blick Richtung Schwanden. Auf der rechten Seite des Stationsgebäudes war die Gleisanlage und hinten rechts das Depotgebäude.
Das Stationsgebäude mit angebautem Güterschuppen. Der Anbau auf der linken Seite wurde erst in den letzten Betriebsjahren erstellt und dient der Verwaltung.
Das Stationsgebäude von der Strassenseite mit dem Verwaltungsanbau.       
Das Stationsgebäude von Engi-Hinterdorf wurde an das Gasthaus Sonne angebaut. Die Treppe in der Bildmitte führte zum Stationsbüro.
Links im Gebäude befand sich das Tor zur Güterhalle.                                
Das Stationsgebäude von Matt-Station, Blick Richtung Schwanden.              
Das Hauptgebäude befindet sich noch im Originalzustand. Die mittlere Treppe führt zum Bahnhof-buffet, die rechte zum Stationsbüro. Der rechte Gebäudeteil war der Güterschuppen und wurde später umgebaut. Zum Standort des Fotografen führte ein Gleisstumpen als Fabrikanschluss.
Endstation Elm, ehemalige Gleisseite.                                                     
Die schön renovierte Remise in Elm.                                                      
Alle Fotos:     J. Ehrbar                                   September  2005 / 2008



Stand  2011

Der BCFe 2/2 oder genau BDe 2/2  4 gelangte 1969 an die Museumsbahn Blonay - Chamby BC.
Ganz hinten in der Werkstätte der BC finden wir den BCFe 2/2  4 noch im Zustand von 1969. Die Restauration soll nun in Kürze  beginnen.  2010                     Foto  J. Ehrbar
Die Triebwagen der Serie BDe 4/4  5 - 7 gelangten 1969 zur AOMC.    
Hier sehen wir zwei ex SeTB Triebwagen vor dem Depot der AOMC in Monthey. Die ex SeTB Nr. 5 wurde bereits revidiert und erhielt die Nr. 111. Nr. 6 im Hintergrund wartet noch auf die Anpassungsarbeiten. 1985 als die AOMC neue Triebwagen in Betrieb nehmen konnte wurden die drei ex SeTB Fahrzeuge nach Oesterreich an Stern&Hafferl verkauft.     
Nach erfolgten Anpassungsarbeiten kamen die Fahrzeuge sofort auf der Strecke Vöcklamarkt - Attersee zum Einsatz. Im Bild der BD4ET 26.110 ex AOMC Nr. 111 ex SeTB Nr. 5.   2003                                                               Foto  R. Grasegger
Der BD4ET 26.109 ex AOMC Nr. 112 ex SeTB Nr. 6. Der BD4ET 26.108 fiel leider 1987 einem Remisenbrand zum Opfer und musste abgebrochen werden.  2003                                                                                 Foto  R. Grasegger
Der B2  13 wurde an die Museumsbahn Blonay - Chamby BC abgegeben.
Auch der B2  13 wartet in der Werkstätte der BC auf die Restaurierung.  2010                                                                                       Foto  J. Ehrbar
Der 1955 von der ESZ übernommene B2 15 ex ESZ C 38 gelangte nach Deutschland zur Jagsttalbahn (Museumsbahn).   1969
Der auf 750 mm umgespurte B2  15 auf der Jagsttalbahn.  2009        Foto  P. Willen
Die K 34 und 31 in Schwanden. Der K 31 gelangte 1969 an die BC.    Foto  R. Werder
Der K 31 auf der BC. Sind einmal der BCFe 2/2  4 und der B2 13 revidiert lässt sich ein stilreiner SeTB Zug formieren.   2010                                            Foto  J. Ehrbar
Alle Fotos ohne Autorenname:              P. Sutter, Archiv Tramclub Basel


Der Verein Sernftalbahn möchte die Erinnerung an die SeTB wach halten. Er konnte in der bis heute erhaltenen Station Engi-Vorderdorf den Güterschuppen übernehmen und darin ein kleines Museum errichten. Im Stationsareal wird erhaltenes und restauriertes SeTB Rollmaterial aufgestellt.
Nähere Angaben unter:  www.sernftalbahn.ch



                                 



Das war die Sernftalbahn                           Tschudi Verlag
Schweiz. Eisenbahnstatistik  1935Amt für Verkehr
Schweiz. Verkehrsstatistik    1966Amt für Verkehr
Schienennetz SchweizAS Verlag
Aufgehobene Bahnen in der SchweizVRS Verlag
Sernftalbahn, Schwanden - ElmPrellbock Verlag



 
   
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