Bönigen liegt am südwestlichen Ende des Brienzersee.
Wesentlich früher als die Bahnen waren im Berner Oberland die Schiffe auf Kurs. So beförderten Postkutschen und Fuhrwerke Reisende und Waren nach Thun, wo dann zur Weiterbeförderung Richtung Interlaken das Dampfschiff benutzt wurde. Ab Neu-haus gings wieder auf der Strasse weiter bis Bönigen, um dann auf das Brienzersee-schiff zu wechseln.
1859 erreichte die Eisenbahn den vorläufigen Endpunkt Thun-Scherzligen. Die Reisezeit zwischen Bern und Interlaken wurde dabei massiv gesenkt. Noch verblieb die Verbin-dung vom Thuner- zum Brienzersee über das Bödeli auf der Strasse. 1872 konnte dann die Bödelibahn (BB) die Strecke von Därligen nach Interlaken Ost eröffnen und 1887 die Fortsetzung nach Bönigen zum Schiffsanschluss. Die Thuner-seeschiffe endeten nun anstatt in Neuhaus in Därligen. 1873 wurde von der BB ein Trajektschiff in Betrieb genommen, welches zwischen Thun und Därligen bis zu sechs Güterwagen befördern konnte. In Därligen gingen die Wagen auf die als Inselbetrieb operierende BB über. Die BB war übrigens eine der wenigen Bahnen die bereits in der Urzeit Doppelstockwagen besass.
Der zweite Teil der BB zwischen Interlaken Ost und Bönigen entpuppte sich als Flopp. Die Bahngesellschaft glaubte der Ausgangspunkt der Bahnen in die Lütschinentäler werde Bönigen sein, aber dann trat Interlaken Ost an seine Stelle. Der Güterverkehr zur Brienzerseeschiffahrt war zufriedenstellend, doch mit der Verlängerung der Brünig-bahn von Brienz nach Interlaken Ost brach dieser zusammen. 1893 wurde die Thuner-seebahn TSB zwischen Thun und Därligen eröffnet und die BB ans Schweizer Schie-nennetz angeschlossen. Die BB ging dann 1900 an die Thunersee-Bahn TSB über und diese 1913 an die Bern-Lötschberg-Simplon Bahn BLS.
Durch den Umstand dass die BLS ihre Wagenwerkstätte zwischen Interlaken Ost und Bönigen angesiedelt hatte, konnte sich die schwer defizitäre Linie noch relativ lange halten. Als dann die Region Bödeli den öffentlichen Verkehr neu organisierte kam das Aus für die Bahn. Seither fährt der Bus nach Bönigen.
Ab Interlaken Ost führte die Strecke entlang des Güterbahnhofes, unterquerte das Streckengleis der Brünigbahn und erreichte nach Ueberquerung der Lütschine die damals noch ausserhalb des Dorfes direkt am See liegende Station Bönigen, wenige Meter vor der Schiffstation. Unmittelbar vor der Lütschine erstellte die BLS die umfangreiche Wagenwerkstätte. Ausser der Lütschinenbrücke wies die Strecke keine nennenswerten Kunstbauten auf.
Die Fahrzeit betrug 5 Minuten.
Streckenskizze map.search.ch
Die Strecke bis zur BLS-Werkstätte blieb als Anschlussgleis erhalten. Die Reststrecke nach Bönigen wurde sofort abgebrochen. Auch das Stationsgebäude Bönigen fiel dem Bagger zum Opfer. Direkt hinter der Schiffstation ist eine grosse, planierte Fläche sichtbar welche zum Teil als Park genutzt wird - das ehemalige Stationsareal. Das Gebiet gleich nach der Lütschinenbrücke wude inzwischen überbaut. Im anschlies-senden, flachen Wiesland lässt sich vom ehemaligen Trassee auch nichts mehr fest-stellen.
Betriebsaufname Strecke:
Interlaken Ost - Bönigen
1.07.1874
Betriebseinstellung Strecke:
Interlaken Ost - Bönigen
31.05.1969
Streckenabbruch:
BLS Werkstätte - Bönigen
1969
Als Anschlussgleis erhalten
Interlaken Ost - BLS Werkstätte
Ersatzbetrieb
Bus
Streckenlänge
2,2 km
Spurweite
1435 mm
Grösste Neigung
10 0/00
Stationen und Haltestellen aufgehoben
2
Tiefste Station (Bönigen)
566 m.ü.M.
Höchste Station (Interlaken Ost)
567 m.ü.M.
Anzahl Tunnel
----
Anzahl Brücken (über 2 m Länge)
1
Betriebsart
Elektrisch
Elektrischer Betrieb ab
1920
Stromsystem
Wechselstrom 16,7 Hz
Spannung
15 000 V
Anzahl Zugspaare
15
Name
Bahn km
Höhe m.ü.M.
HG
NG
Interlaken Ost
0,0
567
noch in Betrieb!
Lütschinenbrücke
1,6
567
1
Bönigen
2,2
566
3
1
HG
=
Hauptgleis
NG
=
Nebengleis
Pendelzug nach Bönigen in Interlaken Ost Foto P. Sutter
Haltestelle Lütschinenbrücke. Im Hintergrund die Werkstätte der BLS. Bis hier wird die Strecke noch ab Interlaken Ost als Werkgleis befahren. 1969 Foto P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
Haltestelle Lütschinenbrücke mit Pendelzug nach Bönigen. 1969 Archiv BLS
Gleich fährt der Zug auf die Lütschinenbrücke. 1962 Foto P. Willen
Zwischen Lütschinenbrücke und Bönigen. Eher etwas ungewohnt bei einer Normalspurbahn ist die signalisierte Streckengeschwindigkeit von 20 km/h. 1962 Foto P. Willen
Bei Bönigen. 1969 Foto P. Sutter, Archiv Tramclub Basel
Station Bönigen, im Hintergrund die Schiffstation. 1960 Foto P. Willen
Station Bönigen mit Doppeltriebwagen der BLS. 1967 Foto H. Häsler
Station Bönigen. 1962 Foto P. Willen
Bönigen 1960. Die Station hatte drei Gleise die unmittelbar am See endeten. Foto P. Willen
Das seeseitige Ende der Stationsanlage Bönigen direkt am Brienzersee mit zwei Verstärkungswagen. Gleich daneben die Schiffstation mit einem Kursschiff der BLS Flotte. 1967 Foto H. Häsler
Die Abbrucharbeiten der Strecke Lütschinenbrücke - Bönigen haben begonnen. 1969 Archiv BLS
Demontage der Gleise in der Station Bönigen. 1969 Archiv BLS
Ausschnitt aus dem Kursbuch Sommer 1965
Das Bahnhofsgebäude von Interlaken Ost ist im Besitz der Berner Oberland Bahn BOB, dient jedoch ebenfalls der Zentralbahn ZB und der BLS.
Vor dem Bahnhofgebäude liegen die beiden Gleise der Berner Oberland Bahn (auf dem Bild nicht sichtbar). In der Bildmitte mit dem Zug im Hintergrund haben wir zwei Gleise der Zentralbahn. Diese vier Gleise haben Meterspur. Auf der linken Bildhälfte sind die drei Normalspurgleise der BLS. Hier fuhr der Zug nach Bönigen ab.
Eine Komposition der Berner Oberland Bahn BOB, meterspurig.
Eine Komposition der Zentralbahn ZB (Brünigbahn), meterspurig.
Ein Regionalzug der BLS, normalspurig.
Und mehrmals täglich der ICE der Deutschen Bahn DB.
Vom Ende des Personenbahnhofs geht der Blick zur normalspurigen Abstellgruppe der BLS. Das Streckengleis Richtung Bönigen führt hinten nach rechts und unterquert den zur Aarebrücke ansteigenden Damm der Zentralbahn ZB. Diese Stelle ist dem Publikum nicht zugänglich.
Blick zurück auf den Durchlass unter der Strecke der Zentralbahn. Links liegen Abstellgleise der ZB sowie der Güterbahnhof.
Nun schauen wir wieder Richtung Bönigen. Natürlich war die Strecke nicht doppelspurig. Das rechte Gleis führt auf Umwegen zu den Güter- und Rollschemelanlagen.
Links liegt das Streckengleis, hinten rechts das Ausziehgleis mit den abgehenden Gleisen zu den Güteranlagen.
Entlang der Hauptstrasse nach Bönigen liegt auch das Streckengleis. Vor dem Strassenübergang im Hintergrund endet das Ausziehgleis .
Hier zweigt nach links bereits ein Gleis zur Hauptwerkstätte der BLS ab.
Wir haben das Gelände der BLS Werkstätten erreicht. Auf dem vor uns liegenden ehemaligen Streckengleis sind Personenwagen abgestellt.
Diese beiden Materialwagen der BLS stehen direkt am Prellbock welcher das ehemalige Strecken-gleis nach Bönigen abschliesst. Das nachfolgende Streckengleis wurde abgebrochen.
Hier bei der Bushaltestelle befand sich ursprünglich die Haltestelle Lütschinenbrücke der BLS. Das Gleis lag ungefähr da wo sich jetzt die Haltebucht für den Bus befindet. Die sichtbare Wagen-gruppe steht im Werkareal der BLS. Die Büsche im Hintergrund markieren das Ufer der Lütschine.
Die Lütschine von der Strassenbrücke aus gesehen. Von der ehemaligen Bahnbrücke ist nichts mehr ersichtlich. Das an die Brücke anschliessende Trassee ist total überbaut worden und ohne Bahn-Relikte.
Nach dem Neubaugebiet endlich wieder ein kurzes Stück Trassee. Es geht hier senkrecht mitten durch das Bild. Im Hintergrund liegt der Brienzersee und davor das ehemalige Stationsgebiet von Bönigen.
Auf dieser Fläche lagen die Stationsgleise von Bönigen. Das Stationsgebäude lag auf der rechten Seite. Hinten der kleine Park und anschliessend der See mit der Schiffstation.
Blick zurück von der Schiffstation auf das ehemalige Stationsgebiet. Im Hintergrund ein Teil der Neubau-Siedlung. Das Stationsgebäude lag links beim Strässchen.
Noch ein herbstlicher Blick aus dem ehemaligen Stationsareal zum Brienzersee mit der Schiff-station.